NeXaver im Gespräch mit Vielseitigkeitsreiterin Nadine Marzahl:

Welchen Reitern empfiehlst du das Reiten im Gelände?

Nadine: Allen. Ich finde es schade, wenn sich Reitanfänger schon ganz zu Anfang ihrer Ausbildung auf eine Disziplin festlegen, sie nehmen sich damit viele Möglichkeiten. Ich empfehle jedem eine gute Grundausbildung in der Dressur und im Springen. Und sich nicht auf das Reiten in einer Halle oder auf einem abgesteckten Viereck zu begrenzen. Reiten im Gelände kann tolles, ganzheitliches Arbeiten mit dem Pferd sein. Es geht dabei nicht darum, möglichst schnell viele hohe Sprünge zu überwinden. Das Reiten im Gelände, kleine Hügel rauf und runter und über einfache Hindernisse, stärkt Muskeln, Balance, Kondition, Geschicklichkeit und Selbstvertrauen – bei Pferd und Reiter. Und dann macht es ganz viel Spaß.

Wie muss ein Pferd denn veranlagt sein, wenn ich im Gelände springen möchte?

Nadine: Nicht wie ein Flummi, aber es sollte gut springen und Gehfreude mitbringen. Wichtiger als die letzte Bascule über dem Sprung ist, dass es clever und geschickt ist. Es benötigt gute Reflexe, muss mitdenken und selbst auf sich aufpassen können.

Auf welchen Typ Pferd trifft das am ehesten zu?

Nadine: Vielseitigkeitsreiter benötigen ein „doppelt veranlagtes“ Pferd. Neben Sprungvermögen sind gute Grundgangarten die Voraussetzung. Ein reines Springpferd ist deshalb nicht geeignet. Wer als Ziel hat, in höheren Prüfungen zu starten, sollte ein Pferd mit hohem Vollblutanteil reiten. Vollblüter haben angeborene Härte, Ausdauer und Nervenstärke. In der Konditionsarbeit benötigen sie außerdem weniger Trainingsaufwand als reine Warmblüter. Diese müssen für die gleiche Ausdauerleistung wesentlich härter arbeiten, und damit auch stärker beansprucht werden.

Welche Rolle spielt das Dressurreiten?

Nadine: Aus verschiedenen Gründen eine wichtige. In der Vielseitigkeit nicht zuletzt im Wettkampf: Die Dressur ist die Disziplin, in der man als Reiter in jedem Fall Strafpunkte bekommt. Eine „Nullrunde“ wie im Gelände- oder Springparcours gibt es nicht. Das heißt, bei fehlerfreiem Geländeritt und ohne Spring- oder Zeitfehler entscheidet die Dressurnote über die Platzierung…

Viel wichtiger ist aber: Dressur ist die Grundlage für Alles. Auch ein reines Springpferd muss dressurmäßig gearbeitet werden. Nur ein durchlässiges, gerades und elastisches Pferd lässt sich sicher durch technische Parcours reiten. Ab Vielseitigkeitsprüfungen der Klasse L dürfen Hindernisse bis zu 1,5 Meter schmal sein. Das sieht schon manch ein gerade gerichtetes Pferd als Einladung zum Vorbeilaufen.

Dressurreiten ist Krafttraining und Gymnastik für ein Pferd. Das Reiten von Übergängen und Versammlung baut Muskulatur auf, Seitengänge machen und halten Sehnen und Bänder elastisch. Das Gute ist: Dazu muss man nicht auf dem Viereck bleiben. Auch im Gelände lässt sich sehr gut arbeiten.

Wie fange ich denn am besten an?

Nadine: Auf keinen Fall allein mit deinem Pferd. Hilfreich ist, wenn dein Reitlehrer selbst Spaß am Geländereiten hat und dich entsprechend unterstützt. Oder du meldest dich zu einem Lehrgang an. Informationen dazu findest du auf der Seite busch-forum.de. Vielleicht hast du ja auch einen erfahrenen Reiter in deinem Umfeld, der dich und dein Pferd mitnimmt ins Gelände. Ihr könnt behutsam üben, zum Beispiel durch Wasser zu reiten. Der Routinier reitet vor, und weil kein Pferd gern „allein“ zurückbleibt, wird sich wahrscheinlich auch deins ins Wasser wagen. Aber Achtung: Sei darauf vorbereitet, dass es beim ersten Mal aus dem Stand einen Riesensatz darüber oder mitten rein macht…

Wichtig ist, zusammen mit dem Pferd Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Wenn du lernst, mit den Kräften deines Pferdes umzugehen, wird es durch das ganzheitliche Training deutlich belastbarer werden als bei einseitig auf Dressur oder Springen ausgerichteter Arbeit.

Was muss ich bei der Ausrüstung meines Pferdes beachten?

Nadine: Wichtig ist vor allem, dass alles gut passt. Die ersten Geländeritte bin ich in meinem Vielseitigkeitssattel geritten. Wer auf Dauer Spaß am Springen hat, ist natürlich in einem Spring- oder Geländesattel besser aufgehoben. Seitdem ich im vergangenen Jahr die NeXaver Trense bekommen habe, nutze ich die sehr häufig im Training, besonders bei meinen Nachwuchspferden. Pferde, die noch Problemen in der Rittigkeit haben, treten besser ans Gebiss heran und gehen losgelassener, in der Dressur, im Springen und im Gelände. Leider ist die NeXaver Trense noch nicht auf Turnieren zugelassen. Für manche meiner Pferde ist es in Ordnung, zwischendurch mit einer anderen Trense zu gehen, andere reagieren irritiert auf den fehlenden Komfort. Ich hoffe, dass das NeXaver System bald von der FN für Turniere zugelassen wird. 

Auch wichtig: Die Sattelunterlage

Eine gut druckentlastende Sattelunterlage, die den Reiter trotzdem nicht zu weit vom Pferd entfernt, ist ein häufig unterschätzender Faktor. Das Dressurpad Contact von Quittpad ist aktuell der Favorit in unserem Stall. Wir benutzen es für die komplette Arbeit, auch beim Springen. Es ist nicht zu dick, liegt super sicher und die Sattellage wird gut belüftet. In der Sattellage hinterlässt es eine schöne glatte, trockene und gleichmäßige Auflagefläche. Ein bisweilen vorhandenes Ungleichgewicht eines Sattels gleicht es ohne Materialermüdung gut aus und unsere Pferde laufen darunter sehr gut.

Nadine Marzahl betreibt zusammen mit Marco Krüger den Ausbildungs- und Turnierstall K&M Sportpferde in der Nähe von Luhmühlen. Die beiden gehören zu den Reitern, die unsere NeXaver Produkte schon im Entwicklungsstadium kritisch unter die Lupe nehmen und uns wertvolle Anregungen geben.

 

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